Ja, warum eigentlich spenden Menschen? Das ist die Frage, die ich hier näher beleuchten möchte, da wir als Fundraiser oder NGO so genauer verstehen, was Spenderinnen und Spender umtreibt, welche Spendermotive sie haben. Dann können wir besser auf sie und ihre Bedürfnisse eingehen.

Spenderinnen und Spender sind immer aufgeklärter, informieren sich im Netz über Aktionen, Organisationen (Non-Profits, NPOs) und forschen auch mal nach, ob ein Spendenaufruf realistisch oder seriös ist. Transparenz spielt dabei eine große Rolle, um Vertrauen in die Verlässlichkeit einer Organisation aufzubauen. Und dieses Vertrauen ist in den letzten Jahren gesunken, da es immer wieder (zum Teil sehr unschöne) Zwischenfälle bei Organisationen gab, die durch die Presse gingen und so die breite Bevölkerung erreicht haben.

Gerade deshalb ist es immens wichtig, Spendende zu binden und zu treuen Spendern zu machen. Aus diesem Grund wollen wir den Spendermotiven auf den Grund gehen, um bestmöglich zu verstehen und zu kommunizieren:

Denn spenden funktioniert meistens nicht ohne Emotionen. Selbst wenn noch so viele Argumente, auch gute Argumente für ein Projekt sprechen, wird der Spender erst Geld geben, wenn er dem Projekt oder der Organisation vertraut. Wenn das Gefühl dafür passt. Ich habe Ihnen hier die aus meiner Sicht wichtigsten Spendermotive in alphabetischer Reihenfolge zusammengetragen:

1. Beruhigung des Gewissens

Etwas zurückgeben, anderen etwas Gutes tun, da man selbst viel Gutes erlebt hat. Die Idee, mit Geld, mit einer Spende etwas an die Allgemeinheit zu geben, spielt bei diesem Motiv eine große Rolle.

2. Dankbarkeit

Über eine Spende etwas Gutes zu tun, kann ein Ausdruck von Dankbarkeit sein. Man möchte gerne etwas zurückgeben oder anderen etwas Gutes tun, weil es einem selbst sehr gut geht beziehungsweise an nichts (mehr) mangelt.

3. Familientradition

Viele Menschen fühlen sich von klein auf einer Organisation verbunden, da in der Familie seit je her eine Mitgliedschaft bestand oder dort ein Ehrenamt ausgeübt wurde. Somit kennt „man“ die Organisation oder den Verein schon gefühlt sein Leben lang. Folglich fließen auch Spenden dorthin.

4. Materielle Entbehrungen in der Kindheit

Manche, gerade ältere Menschen haben in Ihrer Kindheit großen Mangel oder gar Hunger gelitten. Aus diesem Grund spenden sie, um anderen zu helfen, die ein ähnliches Schicksal haben.

5. Mitleid

Dieser Aspekt steht oft bei Katastrophen im Vordergrund. Durch die Presse gehen schreckliche Bilder der betroffenen Menschen und etliche Spendende werden dadurch zur Spende animiert.

6. Persönliche Betroffenheit

Hier hat die spendende Person die persönliche Erfahrung gemacht und kennt die Lage der Betroffenen. Zum Beispiel, dass er für die Krebsforschung spendet, weil es eine Krebserkrankung in der Familie gab.

7. Prestige und Ansehen

Wertschätzung und Anerkennung, auch das können Spendermotive sein. Zum Beispiel, dass es zum guten Ton gehört, zu spenden beziehungsweise das Prestige und Ansehen steigen, wenn der Name beispielsweise auf einer Spendentafel erscheint oder man zu einer Spendengala eingeladen ist.

8. Steuern sparen

Hier steht der wirtschaftliche Aspekt im Vordergrund und dieser wird immer wichtiger. Der Trend geht ohnehin zu Onlinespenden, bei denen automatisch eine Spendenbescheinigung ausgestellt wird. Es ist auch festzustellen, dass Spenden tendenziell höher ausfallen, wenn der Betrag steuermindernd angesetzt werden kann.

9. Verantwortung

Manchmal ist die Tendenz zu spüren, dass Spenden für Zwecke notwendig sind, die auch staatliche Aufgaben sein könnten. Dann ist es umso wichtiger, dass sich Menschen gesellschaftlich engagieren und Verantwortung übernehmen.

In diesem Fall steht das gesellschaftliche Engagement im Vordergrund. Durch die Spenden wird der Allgemeinheit, der Gesellschaft etwas Gutes getan.

10. „Vermächtnis“

„Wenn ich einmal nicht mehr da bin, soll etwas von mir bleiben“. Hier spielt der Gedanke der Ewigkeit eine Rolle, der oftmals auch beim Gründen einer Stiftung eine Rolle spielt.

11. Zu einer Gemeinschaft gehören

Der Mensch ist bekanntlich ein „Herdentier“. Und möchte gerne dazugehören. Für viele Menschen ist das ein guter Grund, um beispielsweise eine Dauerspende zu lancieren, um sich als Teil einer größeren Gemeinschaft zu fühlen. Dieser Spender schätzt regelmäßige Informationen oder Einladungen zu einem Event.

12. Zukunftsvorsorge

Gerade wenn Hilfsdienste oder Caritasverbände spenden einwerben, bieten sie manchmal den Service, dass man zusätzliche Leistungen der Organisation mit angeboten bekommt. Beispielsweise einen Rücktransport oder die Aussicht auf die Bevorzugung im Bedarfsfall.

Haben Sie Ihre Spender schon einmal versucht, nach diesen Kriterien einzuschätzen? Wie sind Ihre Erfahrungen?